800 VA und 2.000 Wp: die Grenzen für Balkonkraftwerke
Zwei Zahlen entscheiden, ob dein Set als Steckersolargerät mit den einfachen Regeln gilt: höchstens 800 VA Wechselrichterleistung und höchstens 2.000 Wp Modulleistung.
Stand: 6. November 2026
Die Grenzen
Das EEG definiert ein Steckersolargerät als Solarmodul(e) mit Wechselrichter, Anschlussleitung und Stecker (§ 3 Nr. 43). Die vereinfachten Regeln gelten, wenn alle Geräte zusammen bis zu 2.000 W installierte Modulleistung und bis zu 800 VA Wechselrichterleistung haben (§ 8 Abs. 5a).
Was genau zählt
- Alle Geräte hinter einem Zähler zusammen. Zwei Sets mit je 600 VA am selben Zähler sind 1.200 VA und damit zu viel.
- Der höchste einstellbare Wert. Lässt sich ein Wechselrichter auf mehr als 800 VA stellen, zählt laut Bundesnetzagentur dieser Höchstwert, nicht die aktuelle Einstellung.
- Scheinleistung des Wechselrichters, nicht die Modulleistung. Mehr Module als Wechselrichterleistung sind ausdrücklich erlaubt.
- Mit Speicher: Nach dem vereinfachten Netzbetreiber-Formular F.1.2 (VDE-AR-N 4105) dürfen Erzeugung und Speicher zusammen höchstens 800 VA abgeben.
Warum mehr Module trotzdem etwas bringen
Ein 800-VA-Wechselrichter kappt die Spitze an sonnigen Mittagen. Morgens, abends, im Winter und bei Wolken liefern mehr Module aber spürbar mehr. Unsere Rechnung für senkrecht nach Süden montierte Module, Deutschland-Mittel, 2.500 kWh Verbrauch:
| Module | Strom/Jahr | abgeregelt | selbst genutzt |
|---|---|---|---|
| 800 Wp | 590 kWh | 0 kWh | 340 kWh |
| 1.200 Wp | 880 kWh | 0 kWh | 400 kWh |
| 1.600 Wp | 1.140 kWh | 40 kWh | 440 kWh |
| 2.000 Wp | 1.320 kWh | 150 kWh | 470 kWh |
Der Eigenverbrauch steigt mit mehr Modulen langsamer als die Erzeugung, weil mittags oft schon genug Strom da ist. Ein Speicher kann den Überschuss in den Abend verschieben.
Über der Grenze
Mehr als 800 VA oder 2.000 Wp ist nicht verboten, aber dann gilt die Anlage als normale Photovoltaikanlage: Anmeldung beim Netzbetreiber und im Marktstammdatenregister, Aufbau nach VDE-AR-N 4105, in der Regel durch eine Elektrofachkraft. Bis 800 VA mit mehr als 2.000 Wp ist nach der neuen VDE-Anwendungsregel ein vereinfachtes Formular möglich, die Erleichterungen des EEG für Steckersolargeräte entfallen aber.
Ob dein Set innerhalb der Grenzen liegt, zeigt der Check.
Häufige Fragen
Darf ich 2.000 Wp Module an einen 800-W-Wechselrichter hängen?
Ja. Das EEG erlaubt bis 2.000 Wp Modulleistung bei höchstens 800 VA Wechselrichterleistung. Ab 960 Wp verlangt die Produktnorm allerdings eine spezielle Energiesteckdose statt Schuko.
Mein Wechselrichter hat 1.600 W, ist aber per App auf 800 W gedrosselt. Reicht das?
Laut Bundesnetzagentur zählt bei einstellbaren Geräten der höchste wählbare Wert. Ein Wechselrichter, den man per App auf 1.600 W stellen kann, ist damit kein Steckersolargerät im Sinne der Grenze.
Sind 800 W oder 800 VA gemeint?
Rechtlich die Wechselrichterleistung in Voltampere (Scheinleistung). In der Praxis geben Hersteller meist beides gleich an.
Quellen
- § 3 EEG (Begriffe, Nr. 43 Steckersolargerät)
- § 8 EEG (Anschluss, Steckersolargeräte Abs. 5a)
- Bundesnetzagentur: Solaranlagen und Steckersolargeräte
- VDE FNN: Steckersolargeräte
- VDE-AR-N 4105:2026-03, Formulare (F.1.2)
- Verbraucherzentrale: Gesetze und Normen für Steckersolar (Stand 21.10.2026)
Alle Angaben ohne Gewähr und keine Rechtsberatung. Maßgeblich sind die Gesetzestexte, die Vorgaben deines Netzbetreibers und die Anleitung des Herstellers. Elektroarbeiten an der Hausinstallation nur durch eine Elektrofachkraft.
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